28. Juli 2010

Aus persönlichem Anlaß

Freut euch des Lebens,
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh' sie verblüht!


Man schafft so gerne sich Sorg' und Müh',
Sucht Dornen auf und findet sie
Und läßt das Veilchen unbemerkt,
Das uns am Wege blüht.
Freut euch des Lebens . . . . . .

Wenn scheu die Schöpfung sich verhüllt
Und laut der Donner ob uns brüllt,
So lacht am Abend nach dem Sturm
Die Sonne uns so schön.
Freut euch des Lebens . . . . . .

Wer Neid und Mißgunst sorgsam flieht
Und G'nugsamkeit im Gärtchen zieht,
Dem schießt sie schnell zum Bäumchen auf,
Das goldne Früchte trägt.
Freut euch des Lebens . . . . . .

Wer Redlichkeit und Treue übt
Und gern dem ärmeren Bruder gibt,
Bei dem baut sich Zufriedenheit
So gern ihr Hüttchen an.
Freut euch des Lebens . . . . . .

Und wenn der Pfad sich furchtbar engt,
Und Mißgeschick uns plagt und drängt,
So reicht die Freundschaft schwesterlich
Dem Redlichen die Hand.
Freut euch des Lebens . . . . . .

Sie trocknet ihm die Tränen ab,
Und streut ihm Blumen bis ins Grab;
Sie wandelt Nacht in Dämmerung,
Und Dämmerung in Licht.
Freut euch des Lebens . . . . . .

Sie ist des Lebens schönstes Band:
Schlagt, Brüder, traulich Hand in Hand!
So wallt man froh, so wallt man leicht,
Ins bess're Vaterland.
Freut euch des Lebens . ..

(Text von Johann Martin Usteri, 1763-1827)


(Text gefunden auf http://ingeb.org,
Grafik auf http://www.spielwiki.de)

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